Volkskrankheit Zähneknirschen

Schöne Zähne sind nicht nur ein Produkt sorgfältiger Zahnhygiene. Nicht selten muss man sie auch besonders schützen, vor allem nachts. Ein Drittel aller Deutschen zählt laut der Gesellschaft für Zahngesundheit unter der Volkskrankheit Zähneknirschen.

Beim überwiegend nächtlichen Zähneknirschen, in der Fachwelt als Bruxismus bekannt, pressen wir unsere Zähne fest zusammen und bringen diese durch eine natürliche und unbewusste Aktivität der Kaumuskulatur zum Knirschen. Vielen Menschen wird erst bewusst, dass sie mit den Zähnen knirschen, wenn sie morgens mit Kopf- und/oder Nackenschmerzen aufwachen und ihren verspannten Kiefer bemerken. Manchmal ziehen die Schmerzen bis in den Ohr-Bereich und vielleicht haben die Zähne bereits merklich unter den nächtlichen Aktivitäten gelitten, indem sie kälteempfindlich reagieren, erste Abnutzungserscheinungen aufweisen und schlimmstenfalls sogar es zu Absplitterungen gekommen ist.

Warum knirschen wir?

Wir können die unterschiedlichsten Gründe haben, warum wir mit den Zähnen knirschen. Auslöser sind z.B. eine Zahnfehlstellung und falsche oder zu hoch gesetzte Zahnfüllungen bzw. ein schlecht sitzender Zahnersatz. Häufig ist das Zähneknirschen jedoch die Folge von Stress. Dieser kann persönlicher, aber auch beruflicher Natur sein. Manchmal reduziert sich das Knirschen nur auf eine kurze Zeitspanne, wenn ein Vorstellungsgespräch, eine Prüfung oder ein anderes, wichtiges Ereignis bevorsteht und das Unterbewusstsein sich intensiv mit dieser kommenden Situation auseinandersetzt. Dann verschwindet nicht selten das Zähneknirschen danach wieder. Manchmal jedoch knirschen wir auch bei Überforderung oder anderen psychischen Belastungen, wenn sich in der Familie vielleicht etwas Schlimmes wie ein Krankheits- oder Todesfall ereignet hat. Diese anhaltenden Ereignisse verarbeiten wir dann häufig in unseren Träumen. Und das ist alles andere als entspannend, wenn wir unsere Probleme und Sorgen buchstäblich immer und immer wieder durchkauen.

Welche Schäden können durchs Zähneknirschen auftreten?

Der Zahnschmelz unserer Zähne ist normalerweise die härteste Substanz im Körper. Wer extrem knirscht und seine Zähne dabei einem ungeheuerlichen Druck aussetzt, schmirgelt deren Zahnschmelz regelrecht ab, sodass die Kauflächen erkennbar schräg abgeschliffen werden. Risse im Zahnschmelz, Zahnfleischbluten oder auch ein Zahnfleischrückgang durch eine Reduzierung der Durchblutung können ebenso die Folge sein. Schlimmstenfalls kann die andauernde Belastung zu einer Zahnlockerung oder sogar zum Zahnverlust führen.

Des Weiteren leidet natürlich auch die Kaumuskulatur. Die ständige Überanstrengung lässt den Muskel verhärten und führt zu schmerzhaften Knötchen. Es kann sogar zu Entzündungen am Gelenk kommen. Nicht untypisch ist ein Knackgeräusch bei der Bewegung des Kiefers.

Nicht jeder, der über Nacken- oder Kopfschmerzen klagt oder unter Schlafstörungen leidet, kommt als erstes darauf, dass dieses auch am Zähneknirschen liegen könnte. Tatsächlich ist es aber nicht selten so. Die angespannte Kiefermuskulatur kann auch zu weiteren Muskelverspannungen im Nacken oder Rücken führen. Dadurch kann es sogar zu einem Beckenschiefstand kommen.

Was tun, wenn man mit den Zähnen knirscht?

Wenn man den Verdacht hat, dass man knirscht oder es bereits weiß, sollte man seinen Zahnarzt aufsuchen. Dieser findet in seiner Untersuchung schnell heraus, ob die Zähne, der Kiefer oder die Kaumuskulatur bereits unter dem Zähneknirschen gelitten haben. Oder er kann das Zähneknirschen ausschließen, was ja auch wichtig ist, um die Symptome anderweitig behandeln zu können. Wird jedoch Bruxismus von ihm diagnostiziert, kann er zumindest etwas für den Schutz der Zähne und ggf. auch des Kiefers tun. Vielleicht reicht es bereits, wenn eine zu hoch gesetzte Zahnfüllung bzw. ein schlecht sitzender Zahnersatz korrigiert werden. Es gibt aber auch verschiedene Arten von Aufbissschienen aus weichem oder hartem Kunststoff, die er passgenau anfertigen kann. Entweder wird eine Schiene über eine Zahnreihe gestülpt oder der Betroffene muss mit Ober- und Unterkiefer in die Schiene reinbeißen. Dies geschieht natürlich nur nachts und behindert in der Regel nicht den Schlaf, sondern führt positiv dazu, dass z.B. der Unterkiefer in eine stabile Position gebracht wird und sich damit die Muskulatur und die Kiefergelenke entspannen können. Eine Aufbissschiene kann auch das Knirschen ruhigstellen und auf jeden Fall verhindern, dass der Zahnschmelz weiter abgetragen wird.

Während der Zahnarzt lediglich etwas zum Schutz der Zähne unternehmen kann, macht es aber Sinn, weitere Ursachenforschung zu betreiben, falls das Knirschen stressbedingt oder aus psychischen Gründen geschieht. Jeder kann lernen, mit stressigen Situationen zurechtzukommen. Es gibt verschiedene Techniken, wie z.B. Autogenes Training oder Yoga, mit denen man lernt, sich besser zu entspannen. Ggf. ist es jedoch notwendig, sich eine psychotherapeutische Unterstützung zu holen, wenn eine sehr emotionale Situation einen belastet.

Checkliste: Leidest du unter Zähneknirschen?

Fragst du dich jetzt, ob auch du ein Knirscher bist?
Wir haben hier für dich eine kleine Checkliste mit typischen Knirsch-Symptomen zusammengestellt:

  • Schläfst du schlecht oder fühlst dich morgens wie gerädert?
  • Leidest du unter Kopfschmerzen oder hast regelmäßig Migräne?
  • Sind deine Nacken- und/oder Rückenmuskulatur verspannt?
  • Bemerkst du Knackgeräusche, wenn du deinen Mund öffnest oder schließt?
  • Schmerzen deine Ohren oder der Kiefer?
  • Hast du das Gefühl, dass dein Biss nicht mehr stimmig ist?
  • Leidest du regelmäßig unter Schwindel- oder Gleichgewichtsstörungen?
  • Und ein klarer Fall: Hat dir dein Partner bereits gesagt, dass du knirschst?
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