Was tun gegen die Angst vorm Zahnarzt?

Zahnarztphobie ist eines der verbreitetsten Phänomene nicht nur in Deutschland. Laut Studienergebnissen behauptet ca. 1/4 aller Befragten, dass der Besuch beim Zahnarzt bei ihnen keine negativen Emotionen auslöst. Das deckt sich zufällig in etwa mit dem Anteil der Menschen, die nachweislich ein etwas reduziertes Schmerzempfinden haben. Der große, bedauernswerte Menschheitsrest sucht ständig händeringend nach mehr oder weniger erfolgreichen Methoden, die große „Angst vor dem Weißen Mann“ irgendwie zu unterdrücken.

Manche finden es z. B. gar nicht so schlimm, dass der Termin, den sie mit der Sprechstundenhilfe vereinbaren können, unendlich weit in der Zukunft liegt, andere trotzen tapfer ihren unerträglichen Zahnschmerzen, um den mehr als notwendigen Besuch beim Zahnarzt noch ein paar Tage hinauszuzögern. Und wenn es dann doch so weit ist, dass der Zahnarzt sagt: „Bitte nehmen Sie hier Platz“, dann steigt sie auf, die panische Angst, in schwereren Fällen kommt auch sogleich Übelkeit dazu und unkontrolliertes Zittern wird von Schweißausbrüchen überlagert, das kleine Herzchen sieht einen Ausweg im Herzrasen.

So in etwa sieht sie aus, die unbegründete Angst vor dem Zahnarzt, die dafür verantwortlich ist, dass so viele Menschen kleine Zahnproblemchen viel zu lange vor sich herschieben. Aus den Problemchen entwickeln sich dann folgerichtig ernst zu nehmende Gebissschäden, deren noch mildeste Konsequenz nur totale Zahnverluste sind, Einschränkung der Lebensqualität aber immer inbegriffen. Es gilt wirklich, diesen üblen Teufelskreis zu durchbrechen, und das geht ja auch mit mehreren kleinen Schritten.

Schritt Nr. 1 heißt: Du sollst Dich für Deine Angst nicht schämen. Es ist völlig normal, dass man sich nicht in eine unangenehme Situation begeben möchte, in der man Kontrolle verliert und einem anderen Menschen geradezu ausgeliefert ist. Es gibt übrigens viele Menschen, die als Kind recht gnadenlose Behandlungen durch Schulzahnärzte erdulden mussten. Dabei wurde sicherlich ein unbewusster Keim der Angst ausgelegt.

Schritt Nr. 2: Der erste „unverbindliche“ Zahnarzttermin wird nur erst mal zur Bestandsaufnahme vereinbart. Die Maßnahmen, die der Zahnarzt dann empfiehlt, kann man sich anhören und darüber nachdenken, aber man muss sie ja nicht gleich durchführen lassen. Das funktioniert so aber nur dann, wenn man sich nicht schon vor Zahnschmerzen krümmt. Aus diesem Grunde werden ja auch zurecht die halbjährlichen Kontrolluntersuchungen empfohlen.

Schritt Nr. 3: Der Zahnarzttermin sollte so gelegt werden, dass man an diesem Tag keinen weiteren (Zeit)Stress hat und danach zu Hause entspannen und in Ruhe darüber nachdenken, ggf. mit dem Partner sprechen und entscheiden kann. Es gibt übrigens zahlreiche Kräutertees, die beruhigend und entspannend wirken, z. B. Tee aus der Baldrianwurzel, Passionsblumenkraut, Lavendel oder Hopfenzapfen. Nach deren Genuss geht man schwebend, lächelnd mit großem Selbstbewusstsein zu seinem Termin.

Schritt Nr. 4: Es ist überhaupt kein Problem, mit seinem Zahnarzt offen über seine Ängste zu sprechen. Ihr Zahnarzt kennt das und hat Verständnis dafür. Er wird dann jeden einzelnen seiner Handgriffe und Instrumente im Vorfeld erklären. Damit Sie eben nicht die Kontrolle an einen Fremden abgeben, vereinbaren Sie ein Handzeichen, das den Arzt dazu veranlasst, innezuhalten, um Ihnen Zeit zu geben, sich wieder zu sammeln.

Schritt Nr. 5: Bei etwas größerem Behandlungsaufwand, bei dem Schmerzen nicht so ganz zu vermeiden sind, wird Ihnen der Zahnarzt eine lokale Betäubung geben. Es ist stets Ihr gutes Recht, auf eine solche Betäubung zu bestehen, auch dann, wenn nur Sie vermuten, dass es schmerzhaft werden könnte. Es gibt kaum einen Zahnarzt, der Ihnen diesen Wunsch verweigern wird. Und wer auch großen Respekt vor der Betäubungsspritze hat, kann sich im Vorfeld ein Betäubungsspray geben lassen. Dennoch sollte man die Beteuerungen des Zahnarztes ernst nehmen, wenn er selbst davon überzeugt ist, dass bei dieser Behandlung eine Betäubung nicht erforderlich ist.

Bei sehr schlechtem Zustand der Zähne bzw. des Gebisses kann die Behandlung ggf. auch unter Vollnarkose vollzogen werden. Die Narkosemittel sind heute so gut verträglich, dass eine mehrstündige komplette Sanierung des Gebisses fast ohne Narkoserisiko möglich ist. Eine Alternative ist die Nasenmaske für eine Lachgas-Sedierung. Damit wird der Patient sehr entspannt und angstfrei, bleibt aber dennoch ansprechbar, und die Dosierung kann gut und einfach angepasst werden z. B. an das Gewicht und die Blutmenge des Patienten.

Gute Erfolge bei der Bekämpfung der Angst bzw. Panik vor dem Zahnarzt werden auch immer wieder mit Hypnose erzielt. Dazu reichen oft schon wenige Sitzungen aus. Allerdings ist es so, dass sich nicht jeder Mensch hypnotisieren lassen kann, denn diese Prozedur der „geistigen Machtübernahme“ muss man bei großem Vertrauen zum Arzt zulassen können.

Darüber hinaus gibt es sogenannte Verhaltenstherapien, durch die der Patient verschiedene Techniken, z. B. die progressive Muskelrelaxation, im Sinne der speziellen Stressbewältigung erlernt. Dieses Training ermöglicht es dem Patienten, die Behandlung ohne Angst und quasi entspannt zu ertragen, und zwar ohne Betäubung.

Wir sind alle nur Menschen, und die Angst gehört zu unserer Natur, sie hat ihre Berechtigung und kann in manchen Fällen lebensrettend sein. Aber auch beim bzw. nach dem Zahnarztbesuch bewahrheitet sich immer wieder der weise russische Spruch: „Der Teufel ist nicht so schlimm, wie man ihn malt„.

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